Seinerzeit in Belgien der bekannteste und populärste Komponist für Musik
von kirchlichen Chorsätzen, über niveauvolle Stücke für Blasorchester, hin zu
symphonischen Werken, war Paul Gilson (1865 – 1942). Letztere wurden von
den Kritiken hochgeschätzt und so gelang Gilson auch früh der berufliche
Aufstieg.
Seine viersätzigen Symphonischen Skizzen „La Mer“ basieren auf dem
gleichnamigen Gedicht von Eddy Levis der darin vier Meeresbilder, den
Sonnenaufgang (I), Lieder und Tänze der Matrosen (II), Dämmerung (III) und
Sturm (IV), beschreibt. Der Musiker Gilson vermag es, diese gedichteten
Bilder nicht weniger präzise wie in seiner literarischen Vorlage in ein Gewand
aus musikalischen Themen, Klängen und Eindrücken zu kleiden.
Wie auf dem Wasser glänzende, teils fast blendende Sonnenstrahlen wirkt der
Beginn des zu hörenden Satzes, „Den neuen Morgen will es mir verkünden,
wie es sinngemäß im Gedicht heißt. „Aurora zögert noch, von Träumen
trunken“ bevor sie selbst, die Sonne sich erhebt. Gilson verstärkt den Klang
des Orchesters und spielt mit den Farben der Instrumenten bevor es zum
dynamischen und klanglichen Höhepunkt kommt: „Um triumphierend durch
ihr Reich zu schreiten;/ Herab zur Flut fällt ihres Mantels Saum,/ …/ das
Strahlenzepter hält sie in der Hand,/ Den Blick empor zum Himmelsthron
gewandt./ Ein Heer erhebt sich unter ihren Füßen,/ Mit frohem Dank die
Herrin zu begrüßen.“
Ludwig Minkus (1826–1917) war ein österreichischer Komponist, der den
größten Teil seines Lebens in Russland verbrachte. Dort machte er Karriere
als Ballettkomponist und arbeitete eng mit dem berühmten Choreografen
Marius Petipa zusammen. Minkus schrieb zahlreiche Ballette, von denen heute vor allem Don Quixote regelmäßig auf den Spielplänen steht. Das Ballett wurde
1869 in Moskau uraufgeführt und basiert lose auf Episoden aus Miguel de
Cervantes gleichnamigen Roman.
Die Szene von Quiteria und Basilio gehört zu den temperamentvollsten und
beliebtesten Teilen des Balletts. Minkus’ Musik ist geprägt von schwungvollen
Rhythmen, eingängigen Melodien und einem unverkennbaren spanischen
Kolorit, das die tänzerische Handlung unterstützt. Sie besitzt eine Direktheit
und Klarheit, die das Publikum unmittelbar mitreißt – man spürt förmlich die
Energie der Bühne. Obwohl Minkus heute im Schatten größerer Namen steht,
ist seine Musik ein Paradebeispiel für die Kunst des Balletts im 19. Jahrhundert:
sie dient nicht nur als Begleitung, sondern treibt das Bühnengeschehen
kraftvoll voran und entfaltet dabei einen eigenen Charme.
Dmitri Schostakowitsch (1906–1975) war eine der prägendsten musikalischen
Figuren des 20. Jahrhunderts. Unter dem sowjetischen Regime schrieb er
Musik voller Zwiespalte: zwischen Anpassung und Widerstand, Ironie und
tiefer Trauer. Sein zweites Klavierkonzert entstand 1957 als Geschenk an
seinen Sohn Maxim, der es zu seiner Abschlussprüfung spielte. Anders als viele
seiner ernsten Werke ist dieses Konzert insgesamt von heiterem, fast
spielerischem Charakter.
Das Andante, der Mittelsatz, bildet jedoch das lyrische Herzstück des Werkes.
Über einem sanft schreitenden Klavier entfaltet sich eine weit gespannte
Melodie, die von den Streichern aufgenommen wird. Die Musik wirkt schlicht
und innig, beinahe wie ein romantisches Lied ohne Worte. Gerade diese
Einfachheit macht ihre Wirkung aus: sie vermittelt Ruhe, Wärme und ein
Gefühl von Intimität. Der Satz ist zu einem der beliebtesten Werke
Shostakovichs geworden und wird oft auch einzeln aufgeführt. Er zeigt eine
Seite des Komponisten, die von stiller Schönheit geprägt ist – weit entfernt
von den grellen Konflikten, die man sonst mit seiner Musik verbindet.
Jóhann Jóhannsson (1969–2018) war ein isländischer Komponist, der Minimalismus, Elektronik und klassische Musik auf einzigartige Weise verband. In seiner Musik vereinen sich sparsame, wiederkehrende Strukturen mit subtilen Klangfarben zu meditativen, beinahe hypnotischen Atmosphären. Chalkboard ist ein besonders eindrucksvolles Beispiel dafür: Mit wenigen, sorgfältig gesetzten Klängen erschafft Jóhannsson eine ruhige, introspektive Stimmung. Die Töne schwingen über lange Strecken, wiederholen sich in minimalen Variationen und öffnen einen Raum, in dem Stille ebenso Teil der Musik wird wie der Klang selbst. Das Stück wirkt dabei fast szenisch: Es erzeugt Spannung und Erwartung, ohne je dramatische Effekte einzusetzen. Jóhannssons Musik zeigt, wie reduzierter Minimalismus emotionale Tiefe erzeugen kann, und lädt das Publikum ein, sich voll auf den Klang einzulassen, die Zeit wahrzunehmen und in der Ruhe Details zu entdecken, die erst bei genauerem Hinhören deutlich werden.
Maurice Ravel (1875–1937) gilt als einer der Meister der französischen Impression. Seine Musik besticht durch klare Strukturen, raffinierte Orchestrierung und leuchtende Klangfarben. Die Suite Ma Mère l’Oye („Mutter Gans“) komponierte Ravel zunächst für Klavier vierhändig und instrumentierte sie später für Orchester. Das Finale, Le Jardin féerique („Der Feengarten“), entfaltet eine märchenhafte, schwebende Atmosphäre. Ravel nutzt sanft schwebende Harmonien, delikate Instrumentalfarben und dynamische Steigerungen, um eine Welt voller Zauber und Leichtigkeit zu erschaffen. Der Zuhörer wird von einem leisen Beginn zu einem funkelnden Höhepunkt getragen, in dem alle Instrumente zusammenwirken, ohne je die Transparenz zu verlieren. Das Stück verkörpert Ravels Fähigkeit, Klangfarben poetisch einzusetzen: Man spürt gleichzeitig die Detailgenauigkeit und die erzählerische Dimension, die jeden Ton lebendig erscheinen lassen.
Gabriele Haunz, Sara Ribeiro, Maike Kraus, Heike Leuenberger, Lisa Braun
Seweryn Noga, Clemens Nitschke
Elisabeth Wäschle, Lucas Götz, Matthias Wodsak
Viviane Spannbauer, Lena Gollbach, Lisanne Knapp
Alexander Weiß, Franziska Graf, Aska Shima
Marc Neininger
Dennis Dörflinger, Kai Lupsina, Ruben Ade
Sayaka Shima, Jochen Thomas
Patrick Sonntag, Bastian Bart
Ruben Ade
Benita Weber
Yuhmu Shima, Felix Lehmann, Jan Leidoldt
Magnus Götz