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Museumsnacht 2025

-Scheffelhalle Singen-



II - La Mer




-La Mer-

Lever de Soleil - Paul Gibson

Seinerzeit in Belgien der bekannteste und populärste Komponist für Musik von kirchlichen Chorsätzen, über niveauvolle Stücke für Blasorchester, hin zu symphonischen Werken, war Paul Gilson (1865 – 1942). Letztere wurden von den Kritiken hochgeschätzt und so gelang Gilson auch früh der berufliche Aufstieg.
Seine viersätzigen Symphonischen Skizzen „La Mer“ basieren auf dem gleichnamigen Gedicht von Eddy Levis der darin vier Meeresbilder, den Sonnenaufgang (I), Lieder und Tänze der Matrosen (II), Dämmerung (III) und Sturm (IV), beschreibt. Der Musiker Gilson vermag es, diese gedichteten Bilder nicht weniger präzise wie in seiner literarischen Vorlage in ein Gewand aus musikalischen Themen, Klängen und Eindrücken zu kleiden.
Wie auf dem Wasser glänzende, teils fast blendende Sonnenstrahlen wirkt der Beginn des zu hörenden Satzes, „Den neuen Morgen will es mir verkünden, wie es sinngemäß im Gedicht heißt. „Aurora zögert noch, von Träumen trunken“ bevor sie selbst, die Sonne sich erhebt. Gilson verstärkt den Klang des Orchesters und spielt mit den Farben der Instrumenten bevor es zum dynamischen und klanglichen Höhepunkt kommt: „Um triumphierend durch ihr Reich zu schreiten;/ Herab zur Flut fällt ihres Mantels Saum,/ …/ das Strahlenzepter hält sie in der Hand,/ Den Blick empor zum Himmelsthron gewandt./ Ein Heer erhebt sich unter ihren Füßen,/ Mit frohem Dank die Herrin zu begrüßen.“



-Don Quixote-

Quiteria and Basilio - Ludwig Minkus

Ludwig Minkus (1826–1917) war ein österreichischer Komponist, der den größten Teil seines Lebens in Russland verbrachte. Dort machte er Karriere als Ballettkomponist und arbeitete eng mit dem berühmten Choreografen Marius Petipa zusammen. Minkus schrieb zahlreiche Ballette, von denen heute vor allem Don Quixote regelmäßig auf den Spielplänen steht. Das Ballett wurde 1869 in Moskau uraufgeführt und basiert lose auf Episoden aus Miguel de Cervantes gleichnamigen Roman.
Die Szene von Quiteria und Basilio gehört zu den temperamentvollsten und beliebtesten Teilen des Balletts. Minkus’ Musik ist geprägt von schwungvollen Rhythmen, eingängigen Melodien und einem unverkennbaren spanischen Kolorit, das die tänzerische Handlung unterstützt. Sie besitzt eine Direktheit und Klarheit, die das Publikum unmittelbar mitreißt – man spürt förmlich die Energie der Bühne. Obwohl Minkus heute im Schatten größerer Namen steht, ist seine Musik ein Paradebeispiel für die Kunst des Balletts im 19. Jahrhundert: sie dient nicht nur als Begleitung, sondern treibt das Bühnengeschehen kraftvoll voran und entfaltet dabei einen eigenen Charme.



-Klavierkonzert N°2-

II. Andante - Dimitri Shostakovich

Dmitri Schostakowitsch (1906–1975) war eine der prägendsten musikalischen Figuren des 20. Jahrhunderts. Unter dem sowjetischen Regime schrieb er Musik voller Zwiespalte: zwischen Anpassung und Widerstand, Ironie und tiefer Trauer. Sein zweites Klavierkonzert entstand 1957 als Geschenk an seinen Sohn Maxim, der es zu seiner Abschlussprüfung spielte. Anders als viele seiner ernsten Werke ist dieses Konzert insgesamt von heiterem, fast spielerischem Charakter.
Das Andante, der Mittelsatz, bildet jedoch das lyrische Herzstück des Werkes. Über einem sanft schreitenden Klavier entfaltet sich eine weit gespannte Melodie, die von den Streichern aufgenommen wird. Die Musik wirkt schlicht und innig, beinahe wie ein romantisches Lied ohne Worte. Gerade diese Einfachheit macht ihre Wirkung aus: sie vermittelt Ruhe, Wärme und ein Gefühl von Intimität. Der Satz ist zu einem der beliebtesten Werke Shostakovichs geworden und wird oft auch einzeln aufgeführt. Er zeigt eine Seite des Komponisten, die von stiller Schönheit geprägt ist – weit entfernt von den grellen Konflikten, die man sonst mit seiner Musik verbindet.



-The Theory of Everything-

Chalkboard - Jóhann Jóhannson

Jóhann Jóhannsson (1969–2018) war ein isländischer Komponist, der Minimalismus, Elektronik und klassische Musik auf einzigartige Weise verband. In seiner Musik vereinen sich sparsame, wiederkehrende Strukturen mit subtilen Klangfarben zu meditativen, beinahe hypnotischen Atmosphären. Chalkboard ist ein besonders eindrucksvolles Beispiel dafür: Mit wenigen, sorgfältig gesetzten Klängen erschafft Jóhannsson eine ruhige, introspektive Stimmung. Die Töne schwingen über lange Strecken, wiederholen sich in minimalen Variationen und öffnen einen Raum, in dem Stille ebenso Teil der Musik wird wie der Klang selbst. Das Stück wirkt dabei fast szenisch: Es erzeugt Spannung und Erwartung, ohne je dramatische Effekte einzusetzen. Jóhannssons Musik zeigt, wie reduzierter Minimalismus emotionale Tiefe erzeugen kann, und lädt das Publikum ein, sich voll auf den Klang einzulassen, die Zeit wahrzunehmen und in der Ruhe Details zu entdecken, die erst bei genauerem Hinhören deutlich werden.



-Ma Mere l'oye-

V. Le Jardin Feerique - Maurice Ravel

Maurice Ravel (1875–1937) gilt als einer der Meister der französischen Impression. Seine Musik besticht durch klare Strukturen, raffinierte Orchestrierung und leuchtende Klangfarben. Die Suite Ma Mère l’Oye („Mutter Gans“) komponierte Ravel zunächst für Klavier vierhändig und instrumentierte sie später für Orchester. Das Finale, Le Jardin féerique („Der Feengarten“), entfaltet eine märchenhafte, schwebende Atmosphäre. Ravel nutzt sanft schwebende Harmonien, delikate Instrumentalfarben und dynamische Steigerungen, um eine Welt voller Zauber und Leichtigkeit zu erschaffen. Der Zuhörer wird von einem leisen Beginn zu einem funkelnden Höhepunkt getragen, in dem alle Instrumente zusammenwirken, ohne je die Transparenz zu verlieren. Das Stück verkörpert Ravels Fähigkeit, Klangfarben poetisch einzusetzen: Man spürt gleichzeitig die Detailgenauigkeit und die erzählerische Dimension, die jeden Ton lebendig erscheinen lassen.




Besetzung


Violine

Gabriele Haunz, Sara Ribeiro, Maike Kraus, Heike Leuenberger, Lisa Braun

Viola

Seweryn Noga, Clemens Nitschke

Violoncello

Elisabeth Wäschle, Lucas Götz, Matthias Wodsak

Flöte

Viviane Spannbauer, Lena Gollbach, Lisanne Knapp

Klarinette

Alexander Weiß, Franziska Graf, Aska Shima

Fagott

Marc Neininger

Trompete

Dennis Dörflinger, Kai Lupsina, Ruben Ade

Waldhorn

Sayaka Shima, Jochen Thomas

Posaune

Patrick Sonntag, Bastian Bart

Klavier

Ruben Ade

Harfe

Benita Weber

Percussion

Yuhmu Shima, Felix Lehmann, Jan Leidoldt

Dirigat

Magnus Götz