Benjamin Britten (1913–1976) war einer der bedeutendsten britischen
Komponisten des 20. Jahrhunderts. Er prägte die englische Musiklandschaft
mit Opern, Orchesterwerken, Kammermusik und Chorwerken, die
gleichermaßen technisch anspruchsvoll wie emotional zugänglich sind.
Britten´s feines Gespür für Klangfarben und Instrumentenkombinationen,
verlieh ihm eine prägende Rolle in der Musik seiner Zeit.
Die Fanfare komponierte er 1959 anlässlich eines Festes an der Kathedrale von
Bury St Edmunds. Sie ist für drei Trompeten geschrieben, die jeweils eigene
harmonische Serien verwenden – so dass die Stimmen unabhängig
voneinander wirken, sich aber dann in einem triumphalen Zusammenklang
vereinen. Das Werk ist kurz, aber intensiv: Britten spielt mit Klangfarben,
räumlicher Wirkung und dem Zusammenspiel der Trompeten. Besonders
bemerkenswert ist der Aufbau, bei dem jeder Trompeter nacheinander sein
Solo spielt, bevor alle Themen gemeinsam die finalen Harmonien bilden. Das
Werk spiegelt sowohl den feierlichen Anlass als auch Brittens Sinn für Struktur
und Klarheit wider. Das Stück hinterlässt, durch die Kombination aus
Präzision, Klangschönheit und einer subtilen, beinahe spielerischen
Virtuosität, einen bleibenden Eindruck. Heute wird die Fanfare regelmäßig bei
festlichen Anlässen und Konzerten aufgeführt und gilt als ein Beispiel für
Brittens meisterhafte Handwerkskunst.
Henry Purcell (1659–1695) ist wohl der bekannteste englische Komponist des Barock. Schon zu Lebzeiten trug er den Beinamen „Orpheus Britannicus“, weil es ihm gelang, die strenge kontrapunktische Kunst seiner Zeit mit einer einzigartigen Ausdruckskraft zu verbinden. Purcell wirkte als Organist an der Westminster Abbey und am Hof der Könige Karl II. und Jakob II. Die „Music for the Funeral of Queen Mary“ entstand 1695 für die Trauerfeier der jung verstorbenen Königin Maria II. Purcell selbst sollte nur wenige Monate später sterben und mit dieser Musik zu Grabe getragen werden. Das Werk besteht neben den beiden umrahmenden Bläsersätzen „March“ und „Canzona“ im Ursprung aus drei Choralsätzen. Der berühmte Trauermarsch mit seinem bedrohlichen Trommelrhythmus und den erhabenen Harmonien entfaltet eine würdige, fast archaische Schwere. Die Canzona hingegen hat einen leichteren, eilenden Charakter. Die durch Purcells geschickt geordneten fugenhaften Einsätze und sich antwortenden Einwürfe wirken gleichwohl fliehend wie statisch. Gleichzeitig spürt man in beiden Sätzen eine tiefe Menschlichkeit: Purcells Musik bleibt nicht fassadenhafte Repräsentation, sie berührt unmittelbar. Die eindringliche Wirkung dieser Töne ist bis heute so sehr ungebrochen, dass sie etwa in Stanley Kubricks Film „A Clockwork Orange“, eindrucksvoll Verwendung fand.
Johann Sebastian Bach (1685–1750)‘s Werke gelten heute als der Inbegriff barocker Musik. Seine Werke vereinen kontrapunktische Kunstfertigkeit mit tiefer Emotionalität. Die dritte Orchestersuite in D-Dur komponierte er vermutlich um 1730 für das Leipziger Collegium Musicum, ein Ensemble aus Berufsmusikern und Studenten. Der zweite Satz dieser Suite hebt sich durch seine besondere Ruhe und Kantabilität hervor. Über eine gleichmäßig schreitenden Basslinie entfaltet sich eine weiche Melodie, die in langen Bögen getragen wird. Die Schlichtheit des Satzes ist seine größte Stärke: ohne „barocke Schnörkel“ oder äußere Effekte entfaltet er eine Atmosphäre von vollkommener Balance. Im 19. Jahrhundert veröffentlichte der Geiger August Wilhelmj eine Bearbeitung, bei der die Melodie ausschließlich auf der tiefsten Saite der Violine gespielt wird – daher der populäre Name „Air auf der G Saite“. Heute gehört es zu den meistgespielten Werken Bachs, sei es im Konzertsaal, zu diversen Anlässen oder in populären Bearbeitungen. Es verkörpert eine stille, zeitlose Schönheit, die Generationen von Hörerinnen und Hörern berührt. Die Bearbeitung für Blechbläserensemble hebt besonders das sangliche, der menschlichen Stimme anmutende Thema hervor.
Henry Mancini (1924–1994) war einer der großen Filmkomponisten Hollywoods. Er prägte das Klangbild vieler Klassiker, darunter die Titelmelodie zu „The Pink Panther“ und die Filmmusik zu „Breakfast at Tiffany’s“ von 1961. Für Letzteren schrieb er zusammen mit Texter Johnny Mercer das Lied „Moon River“, das im Film von Audrey Hepburn selbst gesungen wird. Die einfache, schwebende Melodie und die sehnsuchtsvollen Worte trafen sofort den Nerv der Zeit. Das Lied gewann sowohl den Oscar als auch den Grammy und entwickelte sich zu einem Evergreen. Sechzig Jahre später widmete sich der britische Musiker Jacob Collier (*1994) dem Klassiker. Collier ist für seine experimentelle Harmonik und seine komplexen vokalen Arrangements bekannt. In seiner Fassung von Moon River erklingen die vertrauten Töne in völlig neuem Gewand: Collier legt Schicht um Schicht von Stimmen und Akkorden übereinander, so dass sich ein sphärisches, fast unendliches Klangfeld öffnet. Die ursprüngliche Intimität des Liedes bleibt erhalten und zugleich wirkt die Musik wie in kosmische Weite ausgefächert. So treffen die Nostalgie der 1960er Jahre und die Klangfantasie des 21. Jahrhunderts aufeinander, eine Begegnung von Tradition und Innovation.
Dennis Dörflinger, Kai Lupsina, Ruben Ade
Sayaka Shima, Jochen Thomas
Patrick Sonntag, Bastian Bart
Yuhmu Shima
Magnus Götz